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ie Unternehmenslandschaft Deutschlands ist - im Vergleich zu den USA - von weniger Unternehmensgründungen geprägt. Hierzulande scheuen mehr Menschen das Risiko, sich selbständig zu machen. Wirtschaftsexperten beobachten das mangelhaft ausgeprägte Gründertum mit Sorge. Immerhin sind es oft Kleinunternehmen und der Mittelstand, die der Wirtschaft bedeutende Impulse geben und zum Fortschritt beitragen. Doch woran liegt das und wie lässt sich das ändern?

Fehlender Gründergeist

Für einen Großteil der Deutschen stellt die Selbstständigkeit keine Option dar, um Karriere zu machen. Sie fürchten sich davor, weswegen das Unternehmertum in der Bundesrepublik unzureichend verbreitet ist. Im Vergleich zu anderen hoch entwickelten Industriestaaten nimmt Deutschland einen der letzten Plätze bei einem Gründer-Ranking ein.

Das erscheint sonderbar, denn hierzulande gibt es zahlreiche Förderungen und Absicherungen für risikobereite Gründer. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind hervorragend und qualifiziertes Personal ist vorhanden. Wieso wagen nur so wenige Erwachsene den Schritt in die Selbstständigkeit?

Es mangelt vielen Deutschen an Gründergeist. Stattdessen übermannt sie die Angst, sie könnten scheitern. Und das Scheitern wiederum ist ein Zeichen für Misserfolg. Er nagt am Selbstbewusstsein und ruft Schamgefühl hervor. Das ist schade und unnötig. In anderen Ländern wie den USA oder Mexiko ist das Scheitern mit weniger negativen Gefühlen belegt. Es wird bei der Unternehmensgründung einkalkuliert, aber nicht als menschliche Schwäche erachtet. Die Angst vor dem Scheitern ist daher kein Hindernis. Mutig wird eine Geschäftsidee ausprobiert. Klappt sie nicht, wird ein anderer Weg eingeschlagen. Ganz nach dem Motto: »Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.«

Um in Deutschland den Gründergeist zu stärken, ist es wichtig, die Menschen damit frühzeitig zu konfrontieren. Sie sollen so erkennen, dass die Selbstständigkeit eine echte Alternative ist. Viele Deutsche dahingegen glauben: »Wer Kleinunternehmer wird, hat kein Angestelltenverhältnis gefunden.«

Ein falsches Bild von der Situation

Ein Blick auf die Fakten zeigt, dass Selbstständige in Deutschland keine »Versager« sind. Meist sind es Kleinunternehmer oder Personen, die mit der Selbständigkeit einen Nebenerwerb erwirtschaften. Sie sind gut ausgebildet und haben in der Regel einen Hochschulabschluss. In den USA gibt es eine deutlich größere Gruppe an Selbständigen, die nur eine geringe Qualifikation haben.

Einige Deutsche zögern mit der Selbstständigkeit zudem, weil sie den Neid der anderen befürchten. Selbständigen haftet oft das Image an, reich zu sein und das könnte die Mitmenschen neidisch machen. Doch auch dies stimmt so nicht. Laut aktueller Umfragen fokussiert sich der Neid der Deutschen auf Reiche, die das Geld nicht selbst erwirtschaftet haben. Das können beispielsweise Menschen sein, die aufgrund einer Unternehmensnachfolge oder Erbschaft zu einem großen Vermögen kamen. Wer hingegen wegen einer Selbstständigkeit sein Vermögen hart erarbeitet hat, der wird kaum mit Neid betrachtet.

So wenig wie die Neidkultur Deutschlands ein Argument gegen die Selbständigkeit sein sollte, so wenig Berechtigung hat das Totschlagargument der »mangelnden Sicherheit«. Gerade die heutigen Zeiten offenbaren, dass ein Angestelltenverhältnis nicht mehr Sicherheit bietet als die Selbständigkeit. Wer sich selbständig macht und dabei erfolgreich ist, muss sich - eine smarte Finanzplanung und Vorsorge vorausgesetzt - keine Sorgen um die Rente machen.

Wie lässt sich die Gründungskultur in Deutschland stärken?

Die deutsche Unternehmenslandschaft zeigt, dass rein finanzielle Förderungsinstrumente den Gründergeist nicht stärken. Weitere Maßnahmen sind erforderlich. Hierzu gehören:

  1. Bereits in der Schule und in der Universität sollen junge Menschen ans Unternehmertun herangeführt werden. Die Unternehmensgründung muss als Karriereoption bekannt sein. Realisieren lässt sich dies durch dementsprechende Schulfächer und Seminare.
  2. Ein Umdenken der Deutschen im Allgemeinen ist gefragt, um die Gründungskultur zu stärken. Dazu gehört, den jungen Menschen Mut zum Risiko zu machen. Zudem sind Formate hilfreich, in denen erfolgreiche Unternehmer ehrlich darstellen, dass ein berufliches Scheitern nichts Peinliches ist. Entscheidend ist, dann wieder aufzustehen und weiterzumachen.
  3. Die meisten Unternehmensgründer in Deutschland sind Männer. Das hängt nicht mit der Qualifikation zusammen, denn Frauen sind hierzulande sehr gut ausgebildet. Unabdingbar ist, Frauen in puncto Selbständigkeit zu stärken. Dabei helfen Maßnahmen wie spezielle Bildungsangebote, Mentoren und eine Änderung des Mindsets. Auch Betreuungsangebote für Kinder sind wichtig. Es darf nicht sein, dass eine Frau im 21. Jahrhundert noch immer vor der Entscheidung »Kind oder Karriere« steht.
  4. Finanzierungs- und Förderungsangebote sollten transparenter sein. Viele Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es diesbezüglich gibt. Auch die Implementierung von steuerlichen Anreizen bei dem Einsatz von privatem Wagniskapital ist hilfreich.
  5. Zahlreiche Geschäfte lassen sich heutzutage weit weg von Metropolen realisieren. Dadurch sparen die Gründer an Kosten. Doch damit eine Unternehmensgründung auf dem Land möglich ist, sind Hochgeschwindigkeits-Internetleitungen unerlässlich.
  6. Die Unternehmensnachfolge wird oft unterschätzt. In ihr liegt in der alternden Gesellschaft Deutschlands allerdings ein ungeheures Potenzial. In Schulen, Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen sollte vielmehr auf das Thema Unternehmensnachfolge aufmerksam gemacht werden.
  7. Migranten gründen in Deutschland nur selten ein Unternehmen. Das ist erstaunlich, da sie häufig aus Ländern stammen, in denen das Gründertum stark ausgeprägt ist. Nicht selten findet man unter ihnen Spezialisten in vielen Bereichen, die unsere Unternehmenskultur bereichern könnten. Stattdessen stoßen sie in Deutschland auf große Hemmnisse, die sich jedoch durch gezielte Maßnahmen überwinden ließen. Dazu gehören die Anerkennung von mehr Bildungsabschlüssen, Sprachkurse und Finanzierungsangebote.

Besitzt du Gründergeist?

Wie stehst du zur Selbständigkeit? Hast du dich bereits selbständig gemacht oder denkst daran? Wieso zögerst du? Es ist richtig und wichtig, die Selbständigkeit sorgfältig zu planen. Das heißt aber nicht, vor Angst zu erstarren. Wenn du aus falschen Gründen, die Unternehmensgründung scheust, verpasst du eine tolle Chance. Mit einer durchdacht konzipierten Selbständigkeit nimmst du dein Leben in die Hand. Du verwirklichst einen Traum und hast die Option, dir »selbstständig« etwas aufzubauen. Dabei ist unerheblich, ob du gerade einen Schulabschluss hinter dir hast oder bereits Rente beziehst. Informiere dich hier mehr über die Selbständigkeit!

Wichtig: die hier angebotenen Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine qualifizierte Fachberatung.

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Photo by Edwin Hooper on Unsplash

Publiziert am 
Apr 2, 2021
 in Kategorie:
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